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Bericht aus der Berner Zeitung vom 17.12.2015

11 Uhr ist schon lange vorbei, als Hans Kühni die Gaststube seines Restaurants in Richtung Küche verlässt. Es ist bald Mittag, wie immer wird es im Propellerstübli beim Flughafen Bern-Belp sechs Menüs geben.

Die Karte steht aber noch nicht.«Das geht schnell», sagt Hans Kühni. Denn das Prinzip sei immer das gleiche: einmal Fleisch, einmal Vegi, einmal Gehacktes, einmal Kartoffelstock, zweimal Salat. Den Rest geben das Warenlager und der Kühlschrank vor. So ging es Jahr für Jahr.

 

Am Sonntag ist Schluss

Hans Kühni hat im Propellerstübli Tausende Mittagsmenü zusammengestellt, aufgeschrieben und gekocht. Jetzt folgen am Donnerstag und Freitag noch zwölf Mittagsmenüs. Am Wochenende hat das Propellerstübli ebenfalls noch geöffnet. Dann, am Sonntag um 22 Uhr, ist Schluss.

Dann gehen Margrit und Hans Kühni, beide 68-jährig, in Pension. «Wir verschwinden einfach», sagt er. Kühnis wollen nicht viel Aufhebens um ihren Abschied. Deshalb wollten sie auch nicht auf ein Bild.

Das Lokal am Nordrand des Flughafens bleibt bestehen. Mitte März eröffnet Alex Gribi mit seiner Frau Yvette das Restaurant unter einem neuen Namen.

 

Ehemalige Flugschule

Genau 20 Jahre lang führten Kühnis das Propellerstübli in einer Baracke neben der Flugpiste. Zuvor befand sich darin die Flugschule Beaconair. Kühni hielt sich früher oft dort auf, er hatte das Berufspilotenbrevet ­gemacht und bot Rundflüge an. Eines Tages stellte er einen Kühlschrank rein, verkaufte kalte Getränke. Das war der Anfang des Propellerstübli.

1995 unterzeichnete Beaconair mit Alex Gribi einen 20-jährigen Mietvertrag. Ihm gehört das Land im Baurecht. Am Anfang verfügten Kühnis über eine Festwirtschaftsbewilligung, die Beiz war deshalb nur an schönen Wochenenden geöffnet. Es waren ereignisreiche Jahre.

1998 spielten vor den Toren des Stübli Patent Ochsner. 1999 stand beim Hochwasser im Mai das Wasser bis zur obersten Treppenstufe, im Dezember fegte Sturm Lothar den Vorgarten weg.

 

Regional und frisch

Das Geschäft lief so gut, dass sich Kühnis entschieden, nur noch auf die Karte Gastronomie zu setzen. Sie gab ihren Posten als Leiterin des Blutspendezentrums in Burgdorf auf, er sein Geschäft für Kunststofffenster und Parkett­böden. Sein Können als gelernter Zimmermann und Hochbauzeichner konnte er fortan auch im Propellerstübli für An- und Umbauten einsetzen.

Er sei ein Hobbykoch geblieben, sagt Hans Kühni. Beim ehemaligen Wirt des Bären Langnau besuchte er 50 Kochkurse zum Thema Emmentaler Kost. Im Propellerstübli setzte er auf regionale und frische Produkte. Das funktionierte.

In den ersten Jahren sei das Restaurant aussen nicht einmal angeschrieben gewesen – und doch immer voll. Dank der Angestellten beim Flughafen, Piloten und Fluggäste. Und dank der Spaziergänger und Ausflügler, die nur wegen des Propellerstübli ins Belpmoos gekommen seien.

 

Backstube bleibt

Nun läuft Ende Jahr der Mietvertrag aus. Leicht fällt Kühnis der Abschied nicht. «Aber mittlerweile haben wir uns damit abgefunden», sagt Margrit Kühni. Sie werde vor allem die Gäste vermissen. Nur die Backstube, die sie daheim nicht weit vom Flughafen betreibt, bleibt bestehen.

Zu Hause wird bald auch der Propeller aus Holz hängen, der dem Stübli den Namen gab. «Er wird uns immer an das Propellerstübli erinnern», sagt Hans Kühni.

(Berner Zeitung) (Erstellt: 17.12.2015, 06:24 Uhr)